Mittwoch, 30. Juli 2014

Sieben Monate "Unfold Your Blanket"


Kennt ihr das? Da gibt es so ein Sprichwort...mist, wie war denn das noch einmal?
"Du hast wohl nicht alle Schrauben am Schrank!"
"Eine Taube auf dem Dach macht noch lange keinen Sommer."
Ich bin Meisterin darin, Sprichwörter durcheinander zu bringen und zu verwechseln. Hier aber weiß ich genau, dass "Und stetig nährt sich das Eichhörnchen" passt und hoffentlich auch richtig ist.

Ich habe im Juli an meinem Quilt weiter genäht. Zum einen habe ich den zweiten hellgrünen Streifen fertig gemacht und begonnen, die drei bisher entstandenen Streifen zu einem Stück zu verbinden. Damit man endlich mal einen kleinen Decken-Eindruck erhält.
Bisheriger Stand:



Ich hoffe, dass ich noch den verbliebenen Streifen im August anzunähen schaffe. Ich habe zwar ein paar Tage Urlaub, die aber wiederum sind gut verplant und eigentlich wollte ich bis September auch noch eine Pluderhose genäht haben.

Sonntag, 13. Juli 2014

Karinys Mieder - fertig

Nachdem die Nestellöcher per Hand gesetzt waren, folgten nch zwei weitere Passproben und anschließende Änderungen.
Die erste Änderung bestand darin, dass ich weitere Nestellöcher setzte, da der Abstand zwischen den einzelnen Löcher so groß waren, dass sich das Mieder zwischen diesen zusammen zog. Das sah unverteilhaft und unschön aus. Aber ließ sich ja schnell beheben.
Mittlerweile bin ich auch recht gut darin, Nestellöcher zu nähen.


Die zweite Änderung betraf die Armlöcher. Zum Arm hin standen diese nämlich noch immer sehr weit ab, so dass ich da zweimal jeweils zwei Zentimer Weite rausgenommen habe.

Und nun steht auch bei meiner Püppi nichts mehr ab.





Ich habe das Mieder provisorisch mit einfacher Wolle geschnürt, da die gewachste Baumwolle bereits bei Kariny liegt.

Noch immer total begeistert bin ich von der Rückansicht, da sich das Mieder auch da sehr gut dem Körper anschmiegt.


Die Zaddeln gehören eigentlich auf Höhe der Taille, hier haben wir sie auf Höhe des Hüftknochens gesetzt.

Und was ich jetzt nicht mehr verheimlichen brauche, ist das Innenschön.
Da das Mieder ein Markt-Mieder für die famra-Wochenenden sind (eigentlich wäre ich jetzt auf auf Burg Regenstein, aber meine Migräne ist da anderer Meinung), habe ich ihr in den Rücken das famra-Logo eingestickt.

 

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das Mieder so hinbekomme. Zwischendurch war ich am Verzweifeln und sah mich das ganze bereits von vorne nähen. Nun wartet das Mieder nur noch darauf, Kariny übergeben und ausgeführt zu werden.

Freitag, 4. Juli 2014

Retro-Grufti

Vor einiger Zeit habe ich in den weiten Welten des Internets das Wort „Retro-Grufti“ gelesen und sofort gewusst: damit identifiziere ich mich mehr als mit jedem anderen Begriff.
Doch halt! Habe ich dazu überhaupt die Berechtigung, mich als „Retro-Grufti“ zu bezeichnen?
Nehmen wir mich doch mal genauer unter die Lupe…
Ich schminke mich nicht. Weder im Alltag noch zum Ausgehen. Ich scheitere ja bereits daran, mir auch nur gescheit einen Kajalstrich zu setzen. Zumal ich meine Lebenszeit als zu kostbar erachte, um sie stundenlang vor dem Spiegel zu verbringen. Zwar trage ich seit über einem Jahr wieder einen partiell rasierten Schädel, doch habe ich mir meine Haare bislang nur einmal toupiert. Nach einer durchtanzten Nacht kann ich mir einfach besseres vorstellen, als früh morgens todmüde stundenlang unter der Dusche zu stehen, um die letzten Reste Sprühkleber aus der Mähne zu spülen. Und ich will gar nicht erst davon anfangen, dass ich nach einer solch ausgiebigen Dusche wieder vollkommen wach bin.
Schmuck ist eine Attitüde, der ich gespalten gegenüber stehe. Ich mag Schmuck – jedoch nicht an mir! Eine Kette am Hals ist das maximale, was ich derzeit an Schmuck an meinen Körper lasse. Und auch das nur äußerst selten. Selbst meine 22(!) Ohrringe habe ich auf mittlerweile zwei reduziert.
Rüschen, Netzhemd oder Fetzenlook – ich glaube, ich habe niemals dergleichen auch nur besessen. Ich mag es schlicht, wenn es um Kleidung geht. Am besten in uni-schwarz. Oder maximal ein Motivshirt von qwertee.
Jahrelang habe ich mich tagein tagaus mit Musik beschallt: Depeche Mode, The Cure, Anne Clark. Mittlerweile schweigen mich meine Boxen täglich an. Ich gehe auch nicht mehr wie früher mit Musik im Ohr aus dem Haus. Gelegentlich schalte ich auch die Musik im Auto aus (nachdem ich erst naiv hoffnungsvoll aufs Radio gewechselt habe und alle Sender enttäuscht durchgegangen bin).
Lässt man meine durchweg schwarze Kleidung weg und ignoriert meine Pikes, die ich auch gerne mal im Büro trage, dann bin ich wohl ein ganz durchschnittlicher Mensch mit kaum Ähnlichkeiten zu einem Bilderbuch Retro-Grufti.
Dennoch: ich trage gerne und aus Überzeugung immer schwarz und grenze mich sehr oft auch bewusst von der breiten Masse ab – sofern ich mich mit dieser nicht identifizieren möchte. Ich führe täglich Revolutionen im Kleinen. Ich altere sehr ungerne, aber mit Würde.
Immer wieder jedoch höre ich aber auch, dass es damals unter den Gruftis verpönt war, Sport zu machen (was ich gut verstehen kann, wenn man bedenkt, dass in den 80ern mit Jane Fonda die Aerobic-Welle über den Globus schwappte und die breite Masse in Bonbonfarben durch die Tanzstudios hüpfte). Aber Sport ist wohl das, was mich in den letzten Monaten am meisten geprägt hat. Wegen Sport habe ich mir die Haare abrasiert und die Ohrringe raus genommen. Mittlerweile besitze ich fast so viele Sportschuhe wie Alltagstreter. Mittlerweile gibt es in meinem Schrank eine Abteilung „Sportkleidung“. Aber zumindest in schwarz!
Ich weiß, dass ich zu jung bin, um die Wurzeln der Szene zu begreifen und zu verstehen. Kann man mir einen Vorwurf daraus machen, dass ich etwa zehn Jahre zu spät geboren wurde? Nein.
Für mich wirken die Wurzeln, die bis in mein Geburtsjahr zurück reichen, faszinierend, fast mystisch. Und so wage ich den Schritt, eine Komfortzone für mich in diesem alten Bild zu finden. Mit all dem, was ich bin und eben auch, was ich nicht bin.
Bin ich ein Retro-Grufti? Im Herzen, meiner Meinung und Verständnis nach, ja. Und verdammt ja, ich möchte auch ein wenig und in meinem Rahmen möglich danach aussehen!

(Hurra, der Bogen zum eigentlichen Thema ist geschafft)
Ich trage meine Pikes gerne und mit Stolz. Doch muss ich gestehen, dass sie zu knielangen Röcken ein wenig mau aussehen. Vor zehn Jahren etwa machte ich den Schnitt in meinem Leben, der Hosen aus meinem Alltag verbannte. Zu unbequem und zu beengend. Aber ich glaube, dass eine Pluderhose mich in meiner Bewegungsfreiheit nicht beengt und darüber hinaus auch noch gut zu Pikes passt. Im Internet gibt es diverse Anleitungen für Aladdin- und Saroulhosen. Diese entsprechen nicht ganz dem, was ich haben möchte, aber da werde ich mich sukzessiv drantasten. Um irgendwann eine tolle Pluderhose zu besitzen. Und irgendwann vielleicht auch nach Retro-Grufti aussehen. Wer weiß, vielleicht begründe ich damit ja die Strömung derjenigen Gruftis, die in Pluderhosen und Pikes Pull-Ups oder sogar Burpees macht. Wer weiß.

Dienstag, 1. Juli 2014

mela macht blau

Wenn man sich seines eigenen Stils und Geschmacks nicht mehr sicher ist, stürzt man als Hobbynäherin durchaus auch einmal in eine Krise. Man fragt sich, ob das Hobby überhaupt noch einen Sinn hat, wenn man für sich selber nichts mehr schaffen kann, was einem gefällt.
Mich traf diese Krise Anfang letzten Jahres und sie hält im Grunde noch immer an. Ich habe viele Ideen, die darauf warten, dass ich sie endlich umsetze. Aber gefällt mir das überhaupt? Auch an mir selber? Und wann würde ich es anziehen?
Im Winter habe ich sehr schöne Stoffe gekauft, die sich perfekt für Röcke eignen. Doch nur wie diesen Stoff verarbeiten? Einige Stoffe habe ich aus dem Saison-Restverkauf eines ortsansässigen Damenmode-Ateliers und dementsprechend hochwertig und nicht mehr verfügbar sind die Stoffe (beim nächsten Saison-Abverkauf werde ich wieder hingehen, denn dort habe ich echte Schätze für wenig Geld gefunden!). Ein „Nähen für die Tonne“ wäre da einfach zu schade und doppelt frustrierend. Und so habe ich sehr lange das Nähen neuer Röcke aufgeschoben.
Wenn man jedoch gerade selber nicht nähen kann und wie ich sein Besitz im überschaubaren Rahmen hält, kommt man zwangsläufig an dem Punkt, dass altes bereits aussortiert ist und neues heran muss. Sehr lange habe ich nach schlichten schwarzen Röcken gesucht. Denn schlicht war schon immer „mela-esk“, ebenso schwarz.  Und der Rock sollte in allen Lebenslagen tragbar sein. Letzten Endes fand ich keinen solchen Rock. So habe ich meine Stoffe immer mal wieder heraus genommen und überlegt. Meine Schnittmusterhefte durchgeblättert.
Letzten Endes entschied ich mich dazu, den auf mir liegenden Unzufriedenheitsfluch mit einem weiteren Rock nach „Modell mela“ zu bekämpfen.  
 
 
Die Stoffwahl fiel auf einen dunkelblauen Baumwollsatin. Um nicht nur mit der Farbe ein wenig Abwechslung zu bekommen, habe ich den Schnitt in der Variante „länger mit Gehschlitz hinten“ genäht. Das sehr schlichte Ergebnis überzeugt. 
 
 



Hier habe ich auch zum ersten mal auf farblich kontrastierendes Schrägband verzichtet und dieses aus dem Baumwollsatin selber zurecht gebügelt.



Dieses Erfolgserlebnis muss gehalten werden und so habe ich einen weiteren Stoff aus dem Vorrat gefischt: einen etwa 70cm langen Rest Wolltuch mit dunkelblauem  Tartan (eines der Fundstücke aus dem Mode-Atelier).
Diese Menge ist ebenfalls ideal für einen Rock nach „Modell mela“. Auch hier habe ich eine kleine Modifikation eingearbeitet: der Reißverschluss sitzt nun vorne.
 

Ich mag beide Variationen des Rockschnittes, mit dem ich mich ja gerne identifiziere. Vielleicht aber sollte ich auch mal den Schritt wagen und auch mal einen anderen Rock-Schnitt verwenden. Wenn ich denn einen finde, der mir gefällt und der auch noch zu mir passt.