Dienstag, 23. Juli 2013

An die Schwerter, Söldner!

Über achtzehn Monate ist es her, dass ich den Unke von famra kennen gelernt habe. Ziemlich schnell stellten wir fest, dass wir ein paar gemeinsame Interessen haben. Und ziemlich schnell war die Idee geboren, dass ich mal als Gast bei famra mitlagern könnte. Achtzehn Monate später war es dann auch so weit: ein langes, entspannendes und zugleich anstrengendes Wochenende mit den Söldnern von famra liegt hinter mir. Knappe 72 Stunden an der frischen Luft ohne Technik, Strom, Bett  und fließend Wasser. Für mich eine Herausforderung.
Stilvolle Anreise mit Autobeflaggung

Blick ins offene Land

Zwar habe ich selber aktiv ein Jahr lang die Klinge in einer Mittelalter-Truppe geschwungen, doch befand sich diese Truppe noch so weit am Anfang, dass wir nie zusammen gelagert haben.
So ein Wochenend-Heerlager nimmt seinen Beginn am Freitagmorgen: das Lager in seinen Einzelteilen muss in den Hänger geladen werden. Das Lager ist groß, meiner Einschätzung nach, umfasst es neben sechs Zelten noch zwei Sonnensegel, Versorgungskisten, Felle, Planen, Wimpel, Waffen, Fahnen und einen funktionsfähigen Galgen. 
Ein Teil des Lagers

Sympathisch an famra ist, dass sie die „dunkle Seite“ des Mittelalters zeigen (die meiner Meinung nach auch die korrektere ist). Tanzen auf den Mittelaltermärkte doch meist nur Gaukler in farbenfrohen Gewandungen herum, schwingen Ritter mit glänzenden Rüstungen und Waffen eben jene um die Gunst einer holden Jungfrau oder reiten Ritter mit ihren Schlachtrössern in Turnieren gegeneinander, so marschieren die famra-Mitglieder in schwarzer Montur auf, die mit Sicherheit schon bessere Tage gesehen haben mag. 
Amreth
Magnus
Es wehen Banner über das Lager, die auch genauso gut die Beflaggung eines Piratenschiffes stellen könnte. famra sind Söldner, keine Ritter. Sie kämpfen nicht für Ehre oder aus Treue, sondern für Geld. In ihrer Rolle als Söldner verhaften sie einen Delinquenten, den sie zum Galgen zerren und dort kurzen Prozess machen.

Nachdem wir angekommen waren an der Burg Regenstein in Blankenburg, begutachteten wir das Gelände und bauten das Lager direkt am Eingang auf. Das Gelände bot eine super Kulisse, einzig die Unwegsamkeit erschwerte den Auf- und später auch den Abbau: man musste das gesamte Lager zehn Meter bergauf bzw. bergab schleppen.

Vermutlich hat sich nie auch nur ein Gast so ungeschickt beim Aufbau (und später auch beim Abbau) angestellt wie ich: schon vor über elf Jahren habe ich beschlossen, eigentlich nie wieder zelten zu wollen. Nach unzähligen Stunden des Schwitzens stand das Lager dann aber soweit (es fehlte nur noch der Galgen), dass der Abend eingeläutet werden konnte. Am Lagerfeuer sitzend wurde die ein oder andere Anekdote und Flasche Alkohol geteilt (letzteres durfte unberührt an mir vorbei ziehen).



Mort
Das Wetter an den beiden eigentlich Heerlager-Tagen war absolute Spitzenklasse: Sonnenschein satt. Nachdem der Galgen stand und der Markt für Gäste geöffnet war, ließ sich die Truppe inkl. mir in gewandeter Form auf diesem blicken. Wir erkundeten das Gelände, erstürmten die Burgruine.
Da mir bei der Anreise bereits auffiel, wie nah ich eigentlich an meiner alten Heimat bin, hatte ich am Tag zuvor meinen Eltern geschrieben, ob sie nicht auch mal vorbei schauen wollen. Und zu meiner Freude waren sie dann auch da.
Ergreift den Delinquenten

Mit dem Veranstalter abgesprochen inszenierten die Söldner direkt im Anschluss des Ritterturnieres eine Hängung, die bei den Veranstaltern sehr gut ankam.

Abends durfte ich dann noch mit Mort die Klingen kreuzen, was für mich die wohl größte Herausforderung war – stieg ich damals doch wegen meiner Augen aus der damaligen Mittelaltertruppe aus. Es dauerte einige Zeit, bis ich wieder rein kam und nur einmal habe ich die Klinge nicht gesehen, den Schlag jedoch noch abfangen können, aber weder Mort noch ich wurden verletzt. Und ich habe wieder Schwertkampf-Blut geleckt.


Das Wetter am Samstag wurde an Sonnenschein und Wärme am Sonntag übertroffen, so dass sich die Truppe dazu entschied, einen entspannten Tag einzulegen und keine Galgenshow zu inszenieren. Immerhin tragen die Söldner dabei die komplette Montur, was bei der Hitze unverantwortlich gewesen wäre. So also zeigten sie „nur so“ ihre Präsenz auf dem Markt.

"Auf zum Galgen!"
Nachdem die Pforten für die Besucher geschlossen wurden, begannen wir mit dem Abbau des Lagers. Da die Truppe gut eingespielt ist, dauerte dieser keine drei Stunden.  Nach einer sehr langen Heimfahrt und einer viel zu kurzen Nacht, entluden wir am Montagmorgen den Hänger und kamen somit wieder ins 21. Jahrhundert an.
Unke


Das Wochenende mit dieser total verrückten bunten Truppe war wirklich klasse. Am Sonntagabend sehnte ich mich zwar sehnlichst nach meiner Dusche und nach sauberen Fingernägeln (in der Tat habe ich daheim nachts um halb zwei erst meine Fingernägel sauber gemacht und dann erst meine Schuhe ausgezogen), aber irgendwie erscheint einem der Alltag nun ein wenig farbloser – und dass, obwohl die Farbe der Söldner schwarz ist. Sofern ich darf (was ich hoffe), begleite ich die Truppe gerne wieder ins Mittelalter.

Die Söldner